Christof Sauer, „Martyrium und Mission im Kontext“ – Analyse ausgewählter theologischer Positionen aus der weltweiten Christenheit

25. Juni 2021 10:43

Christof Sauer, „Martyrium und Mission im Kontext“ – Analyse ausgewählter theologischer Positionen aus der weltweiten Christenheit

Eine Rezension von Harald Mueller, Mai 2021

Professor Dr. Christof Sauer, seit 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, hat in seiner Habilitation zum Thema „Martyrium und Mission im Kontext“ einen Bereich berührt, der bislang in der wissenschaftlichen Literatur eher ein Nischendasein gefristet hat. Die Ergebnisse seiner umfangreichen Arbeit schließen hier eine Lücke und sind nun 2021 als Band 37 der Reihe Missionswissenschaftliche Forschungen des Erlanger Verlags für Mission und Ökumene veröffentlicht worden.

Christof Sauer hat zu Beginn seiner Schrift vier Personen beleuchtet, deren wissenschaftliches Werk mit den Begriffen Martyrium und Mission verknüpft ist, die jedoch in der Einzelbetrachtung kaum unterschiedlicher sein könnten. Da ist zunächst der Jesuit Jon Sobrino, der in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts befreiungstheologisch an den sozialen Auseinandersetzungen in seinem Land El Salvador teilgenommen und sich aktiv auf die Seite der Armen gestellt hat. Die Kirche müsse die Verfolgung des Volkes zu ihrer eigenen machen, dann werde auch sie selbst als Kirche verfolgt. Wenn die Kirche nicht die Frage der Armen zu ihrer Schicksalsfrage mache, verfehle sie den Kern ihrer Sendung. Der koptisch-orthodoxe Christ und Bischof Anba Juanis aus Ägypten stellt demgegenüber auf die persönliche Frömmigkeit ab. Das Leiden um Christi willen sei ein starkes Zeugnis, welches viele Nichtgläubige gewinne. Juanis kennt die Situation der Verfolgung als Angehöriger einer religiösen Minderheit. Ebenso Young Kee Lee aus Südkorea, ein konservativer evangelischer Christ mit Nähe zur Heiligungsbewegung. Er sieht in seiner Dissertation „God´s mission in suffering and martyrdom“ das Martyrium als ein Instrument der Mission (Instrumental Suffering). Christen seien eingeladen, als Partner an Christi Leiden teilzunehmen. Zuletzt bespricht Sauer das Alterswerk des emeritierten Würzburger Diözesanbischofs Paul-Werner Scheele. Die Ganzhingabe ist ein von Scheele verwendeter Schlüsselbegriff. Danach bezeugen die Märtyrer durch ihre Ganzhingabe die Ganzhingabe und Liebe des dreieinigen Gottes. . Sauer diskutiert in seinem Werk die Ansätze dieser Personen kritisch und kommt zu einer eigenen Position. Er wählt die doxologische Dimension als Deutungsrahmen für die Zusammenhänge von Martyrium und Mission. Ziel der Mission ist nach Sauer nicht allein die Bekehrung von Menschen oder die Pflanzung von Kirchen sondern die Verherrlichung Gottes. Märtyrer und Christuszeugen erhalten Anteil an der Doxa (Herrlichkeit) Gottes.

Nach Ausleuchtung der theologischen Aspekte unter Verwendung von vorangestellten Thesen macht Sauer im Schlussteil seiner Arbeit einen Schwenk hin zur praktischen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in kirchliches Handeln in Deutschland. Dies betrifft sowohl den innerkirchlichen Bereich als auch das Wirken nach außen. Für Letzteres sind fünf Dimensionen wichtig: Das Verhältnis der Engagierten untereinander, der Einsatz für Religionsfreiheit als Menschenrecht, Konsequenzen aus der eigenen Verortung innerhalb eines pluralistischen Kontextes für den interreligiösen Dialog, Konsequenzen für die diakonische Praxis an Bedrängten und Verfolgten sowie Konsequenzen für die Missionspraxis unter Nichtchristen, wozu auch eine missionarische Ethik zählt. Es ist das Anliegen Sauers, das Thema Martyrium unter Berücksichtigung eines christlichen Propriums zu betrachten und er hält es daher für legitim, im Engagement für Verfolgte den Glaubensgenossen Priorität einzuräumen. Gleichzeitig fordert er aber dazu auf: „Wer sich für die Religionsfreiheit von Christen einsetzt, sollte das auch für Angehörige anderer Religionen und Weltanschauungen tun“.

Das Buch „Martyrium und Mission im Kontext“ ist sehr empfehlenswert für alle, die nicht nur mit theologischem Tiefgang sich der Thematik nähern möchten sondern auch ein starkes Interesse an der praktischen Umsetzung im kirchlichen Kontext und nach außen haben, wozu der Schlussteil besonders einlädt.

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